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Rassismus als Totschlagargument...

 


...ist im Übrigen keine neue Methode den politischen Gegner in Misskredit zu bringen.

Jahrzehntelang reichte es in der Bundesrepublik aus jemanden als einen Kommunisten zu bezeichnen um ihn somit als unglaubwürdig  bzw. als Staatsfeind zu diskreditieren.

Es gibt zwei logische und berechtigte Gründe seinen Gegenüber einer politischen Strömung, Ideologie oder Partei zuzuordnen.

1. Er bezeichnet sich selbst als Anhänger/Mitglieder dieser oder

2. seine Ansichten decken sich mit deren Lehre/Ideologie. Um das jedoch beurteilen zu können müsste man selbst mit dieser Theorie vertraut sein und die Ansichten (Plural!) des Gegenüber kennen. Dies ist jedoch meistens nicht der Fall.

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Wenn wir diesen Maßstab bei dem Begriff 'Rassist' anwenden, stoßen wir auf zwei Probleme:

1.  Es wird sich wohl kaum jemand selbst als Rassist bezeichnen und

2. Leute, die den Begriff inflationär verwenden, benutzen ihn oftmals falsch, da sie nur eine vage bzw. gar keine Vorstellung von der Rassenlehre haben.

Als Rasse bezeichnete man in der Biologie eine Gruppe von Lebewesen bzw. Pflanzen, die die gleichen bzw. ähnliche Merkmale aufweisen. So verwendete man bis ins 18. Jahrhundert den Begriff der Rasse in erster Linie auf die unterschiedliche Hautfarbe, womit oftmals eine diffamierende Wertigkeit verbunden war, die der herrschenden, weißen, kulturellen Sicht entsprang. Mit Beginn der Aufklärung, dem Verfall des Feudalismus dem Verlust des verbindenden Elements des absoluten Herrschers und der Religion, trat  im 19. Jahrhundert an dessen Stelle der Nationalismus. Um die Zusammengehörigkeit eines Volkes zu untermauern erhielten - insbesondere in Europa - Theorien, die die Merkmale der Rasse in weitere Untergruppen unterteilten und somit versuchten ihn mit einem Volk bzw. einer Nation gleichzusetzen immer größeren Einfluss. So floss die Entdeckung der Sprachfamilien - ein Ergebnis der Linguistik - als ein unterscheidendes Kriterium in die Rassentheorie ein. Einige der damaligen Wissenschaftler ordneten der indogermanischen Sprache eine eigene Rasse - den Ariern - zu, zu der fast alle europäischen Volksgruppen gehörten. Jedoch selbst auf dem Höhepunkt des Rassenwahns im Dritten Reich konnten die hauptsächlich deutschen Wissenschaftler, trotz enormer Förderung durch den Staat keinen Nachweis für eine Übereinstimmung von Rasse und Volk erbringen.

Das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre und der Reichsbürger heute bekannter als Nürnberger Rassengesetze richtete sich in erster Linie gegen die Juden und basierte wie der Titel schon sagt auf deutsches Blut und Ehre und nicht auf eine deutsche Rasse für dessen Nachweis es nicht den geringsten Beweis gab. Was einen Demagogen wie Hitler natürlich nicht im Geringsten daran hinderte mit Begriffen wie deutsches Blut, deutscher Boden, deutsches Volk oder deutscher Rasse zu argumentieren.

Der Spuk hatte in Deutschland 1945 ein Ende, was aber nicht das Ende des Rassismus bedeutete. Unser demokratischer Befreier die USA hatte zum Beispiel ein riesengroßes Problem mit seiner afroamerikanischen Bevölkerung, obwohl die Sklaverei abgeschafft war, wurde sie weiterhin als minderwertige Rasse angesehen und auch so behandelt. Bis Mitte der 60er Jahre gab es in den Südstaaten im öffentlichen Leben noch eine strenge Rassentrennung und die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung besteht heute noch in vielen staatlichen Institutionen und gesellschaftlichen Schichten.

In der Wissenschaft unter den Archäologen, Anthropologen und Ethnologen hat sich - untermauert durch zahlreiche Funde in den letzten Jahrzehnten - die "Out-of-Africa-Theorie" durchgesetzt. Sie besagt, dass sich der Homo sapiens vor mehr als 100.000 Jahren von Südostafrika aus über die ganze Welt verbreitet hat. Die äußerlichen Unterschiede (Hautfarbe, Haare etc.) lassen sich mit der Anpassung an den verschiedenen Klima- und Ernährungsbedingungen erklären. Studien ergaben größere genetische Unterschiede innerhalb einer Population (z.B. den Mitteleuropäer) als zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe. Die große Mehrheit der Anthropologen lehnt deshalb eine Aufteilung der Menschheit in Rassen ab.

 

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Im Rheinland wird der Niederländer schon mal als „Käskopp“ bezeichnet, ob dies nun fremdenfeindlich, nationalistisch, beleidigend, provokant oder nur humoristisch gemeint ist, lässt sich nur aus der Situation erklären. Wer in diesem Zusammenhang mit dem Holzhammerargument des Rassismus kommt, ist entweder einer von den vielen selbstgerechten aber völlig ahnungslosen Mainstreamer oder eine Dumpfbacke, die tatsächlich glaubt der Niederländer sei eine andere Rasse. Historisch gesehen ist die eingesessene Bevölkerung des Niederrheins sicherlich eher mit den Holländern (Friesen) verwandt, als etwa mit den Bayern. Es ist also durchaus angebracht zwischen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu unterscheiden. (Wobei man, wie schon erwähnt, den Begriff der Rasse in Bezug auf Menschen ganz unterlassen sollte.)

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Natürlich ist es schwierig im allgemeinen Sprachgebrauch eine korrekte Wortwahl durchzusetzen, aber zu mindestens Journalisten, Medienvertreter und Politiker sollten doch bemüht sein den Begriff Rassismus nicht fortwährend zu verwenden. Ansonsten trägt man noch zu einem späten Sieg des Nationalismus bei, da sich in der breiten Öffentlichkeit die Meinung bildet: Völker wären Rassen.

 

 

 

 

"R.otten.s" Z.Blanck © 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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